Der unklare Brustkorbschmerz
Neu aufgetretene Schmerzen im linken Brustkorb, eventuell mit Ausstrahlen in die linke Schulter können viele Ursachen haben. Diese werden vier großen Erkrankungsgruppen zugeordnet:
- entzündliche Erkrankungen wie z.B. eine Lungenfellentzündung eventuell mit begleitender Lungenentzündung oder Nervenentzündungen unterschiedlicher Ursache wie z.B. bei Gürtelrose
- Verletzungen wie Rippenprellungen oder -brüche oder Blutergüsse
- Geschwülste oder Tochtergeschwülste bösartiger Erkrankungen
- Durchblutungsstörungen des Herzens oder der Lunge (Lungenembolie)
Zur richtigen Behandlung dieser Brustkorbschmerzen ist eine Ursachenermittlung unumgänglich.
Neben klinischen und laborchemischen Untersuchungen stellt die Computertomographie als bildgebendes Verfahren einen Stützpfeiler der Diagnostik dar. Lungenentzündungen, Verletzungen sowie Geschwülste lassen sich sicher darstellen. Mit der Entwicklung der neuesten CT-Generation ist aufgrund der verkürzten Untersuchungszeit auch eine Untersuchung des Herzens, insbesondere der Herzkranzgefäße möglich. Eine Scandauer von nur einer Viertelsekunde(!) erlaubt - zur richtigen Zeit durchgeführt - eine nahezu bewegungsartefaktfreie (verwackelungsfreie) Darstellung des Herzens und der Herzkranzgefäße.
Herzkranzgefäßveränderungen, insbesondere die Arterienverkalkungen, können dargestellt und in ihrem Ausmaß bestimmt (quantifiziert) oder ausgeschlossen werden (KalkScore). Liegen keine Verkalkungen vor, so ist eine koronare Herzkrankheit mit 90-95%iger Sicherheit ausgeschlossen und das Herzinfarktrisiko niedrig
. Auch die Darstellung der Herzkranzgefäßlichtungen ist ohne den Einsatz eines Herzkatheters im Rahmen einer sogenannten CT-Koronarangiographie möglich.
Zusammenfassung: Besteht bei einen Patienten ein erhöhtes Herzinfarktrisikoprofil mit familiärer Belastung, erhöhtem Cholesterinspiegel, Zigarettenkonsum, Übergewicht, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit oder einer Kombination dieser Herzinfarktrisikofaktoren so kann mittels einer speziellen Computertomographie das Herzinfarktrisiko genauer abgeschätzt werden. Liegen keine Gefäßwandverkalkungen in den Herzkranzgefäßen vor, kann mit dieser nur ca. 30 Sekunden dauernden Untersuchungen das Vorliegen von relevanten Einengungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 90-95% ausgeschlossen werden. Liegt eine Herzkranzgefäßeinengung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vor, so kann eine Computertomographie mit einem Gerät der neuesten Generation nach Gabe von Kontrastmittel auch die Lichtungen der Herzkranzgefäße darstellen und Einengungen sichtbar machen.
Ist eine Herzkranzgefäßerkrankung bereits bekannt, so kann diese risikoarm kontrolliert werden und eine Zunahmen der Gefäßeinengung nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Die Durchgängigkeit von Bypässen, teilweise auch von Stents läßt sich überprüfen.
Durch diese Maßnahmen soll die Zahl der "diagnostischen Herzkatheteruntersuchungen" vermindert werden. Die Zahl der therapeutischen Eingriffe mit Ballondehnung und/oder Stentimplantation in einem Untersuchungsgang wird eher steigen.
Für die gesamte Diagnostik von Erkrankungen der Herzkranzgefäße wird jedoch die Herzkatheteruntersuchung weiterhin der "Goldstandard" sein, an dem sich andere moderne und nicht invasive Methoden messen lassen müssen.
